Oberboihingen

Aus Gentech

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We did it!

Die Feldbesetzung in Oberboihingen war erfolgreich! Die HfWU Nürtingen verkündete heute (9.4.08) die Versuche mit Monsanto-Gen-Mais einzustellen! Die Feldbesetzung steht noch bis Sonntag - Party machen; Alle sind herzlich eingeladen!

Feldbesetzung in Oberboihingen

(Grußwort an die Demo in Gießen)

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde das 2. Gentechfeld dieses Jahres besetzt! In Oberboihingen bei Tübingen wollte die FH Nürtingen gentechnisch veränderten Mais zum wiederholten Mal auspflanzen. Bei diesem Versuch sollen die Wirkung gegen Schimmelgifte bei MON810-Pflanzen mit konventionell gezüchteten Pflanzen verglichen werden. Nicht anders als Prof. Friedt in Gießen schreckt auch Prof. Schier nicht vor der Aussaat von Monsanto-Produkten zurück. Nachdem das Feld schon zweimal zerstört wurde, haben wir uns dieses Jahr vorgenommen, den Mais erst gar nicht aufs Feld zu lassen, und bisher haben wir Erfolg:

Ein ca. 12 m hoher dreibeiniger Turm und ein mit Beton gefülltes Fass wurden auf dem Acker errichtet, an dem sich im Falle einer Räumung AktivistInnen anketten können. Nach dem Aufbau schien dies auch gleich nötig geworden zu sein, da nach und nach sieben Polizeiwagen erschienen. Doch außer Personalienkontrollen und kleine Pöbeleien von Seiten der Polizei geschah nichts. Nach einem Gespräch mit dem Versuchsleiter der FH am Morgen zogen auch die Polizeiwagen wieder ab und seitdem wächst und gedeiht das Camp:

Langsam machen wir es uns auf dem Feld gemütlich: eine Radrallyebahn nimmt langsam Formen an, über die Volxküche werden wir mit lecker Essen versorgt. Der weithin sichtbare Turm und das Zirkuszelt bilden bunte Farbtupfer in der Landschaft. Auch über Unterstützung von außen können wir uns nicht beklagen: Solidarische Landwirt_innen versorgen uns mit Lebensmitteln und Transportmöglichkeiten, immer neue Menschen aus der Umgebung kommen vorbei, um das Spektakel von Nahem zu betrachten oder gleich zu bleiben. Sogar eine Gruppe FH-Studierender kam bis zum Feld und mit einigen entwickelten sich sehr verständnisvolle Gespräche.

Langweilig wird uns sicher nicht: am ersten Abend haben wir Gäste zum Thema Gentechnik eingeladen und danach halten wir uns mit einer kleinen Goa-Party warm. Auch in den nächsten Tagen werden wir im Gespräch mit den Anwohner_innen bleiben und das Thema mit Veranstaltungen weiter beleuchten.

Wir wünschen euch in Gießen, Rauischholzhausen und dem Vogelsberg weiterhin viel Spaß und Durchhaltevermögen beim Widerstand gegen die Agro-Konzerne und unverbesserlichen Gentech-Tüftler. Es tut gut zu wissen, dass auch in anderen Teilen Deutschlands der Protest sichtbar ist. Für 1, 2, 3... viele Feldbesetzungen!

aktuelle Pressemitteilungen

Leider ist die Pressearbeit von hier noch nicht perfekt, deshalb hier zur Info erst mal bloß die aktuellen Pressemitteilungen

Pressemitteilung vom 7. April 2008, 14.30 Uhr

Genfeld-BesetzerInnen erreichen Gespräch mit FH-Direktor

Heute vormittag, 7.4., 11 Uhr empfingen die Ko-Rektorin Frau Niederdrenk-Felgner und der Pressesprecher der FH Herr Schmöcker einige BewohnerInnen des besetzten Feldes für gentechnisch veränderten Mais. Die AktivistInnen überreichten einen offenen Brief, der an Direktor Ziegler und den Versuchsleiter Prof. Schier gerichtet ist. Sie forderten die Einstellung der Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen an der FH Nürtingen-Geislingen, andernfalls blieben sie so lange auf dem Acker bis eine Aussaat dieses Jahr nicht mehr möglich sei.

Die Ko-Rektorin sagte den AktivistInnen zu, dass von der FH keine polizeiliche Räumung des Feldes ausgehe, bis man in einen Dialog getreten sei. Dafür bietet das Rektorat den AktivistInnen für Mittwoch, den 9.4., um 14 Uhr ein Gespräch an (Termin vorläufig, bitte aktuell bestätigen lassen). Allerdings könne das Rektorat Prof. Schier die gentechnologische Arbeit nicht verbieten. Sie stelle sich, unabhängig von der persönlichen Meinung des Rektorats, hinter ihren Lehrenden, da er sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewege. In diesem Zusammenhang stellten die AktivistInnen der Aussage von Prof. Schier, der sie in den Medien als „Kriminelle“ bezeichnete, ihre eigene Überzeugung gegenüber: Wenn wissenschaftliche Forschung unwiderruflich in das Ökosystem Erde eingreift, müssen die Menschen das Recht haben, Einspruch zu erheben und sich dagegen zu wehren.

Die AktivistInnen erklärten, dass ihnen klar sei, dass das Vorantreiben der Biotechnologie ein bundesweites Programm sei, dass sich nicht bloß auf die FH Nürtingen beschränke, hob aber die Rolle der Hochschulen innerhalb dieser Akzeptanzbeschaffung hervor. Besonders Prof. Schier sei kein neutraler Gentechnik-Forscher, sondern treibe mit seinen Versuchen eindeutig die Nutzung transgener Pflanzenlinien voran. Sie überreichten Frau Niederdrenk-Felgner ein Päckchen Alb-Linsen, die einen Ausdruck der regionalen Artenvielfalt darstellen und ebenfalls an der FH Nürtingen beforscht werden. Sie betonten die lebenswichtige Bedeutung solcher regionaler Sorten für die weltweite Artenvielfalt, im Gegensatz zur monokulturellen Verbreitung einiger weniger lizenzierter GV-Pflanzen, die traditionelle Sorten verdrängten. Für Donnerstag, den 10.4., 15 Uhr kündigten sie weiterhin eine Vorlesung speziell für Studierende der FH an, in der sie die „Gefahren und Risiken der Agro-Gentechnik“ darstellen wollen. Veranstaltungsort wird natürlich der Genacker sein.


Offener Brief

Die BewohnerInnen der Genfeldsiedlung fordern die Einstellung der Forschung mit Agro-Gentechnik an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen

Herr Prof. Schier, Herr Prof. Ziegler,

hiermit fordern wir Sie auf, Ihre Forschung mit Agro-Gentechnik an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen einzustellen. Sie argumentieren für die Agro-Gentechnik, indem Sie vermeintliche Vorteile der Technologie herausstreichen, z.B. Resistenz gegen Insekten oder Pestizide. Wir bitten Sie, die Augen zu öffnen und die tatsächliche Realität schon existierender Pflanzen auf der ganzen Welt zur Kenntnis zu nehmen. Es gibt viele fachliche Filme und Literatur zu diesem Thema, sie saßen Percy Schmeiser schon persönlich gegenüber. Wie können Sie eine Technologie anwenden, deren Risiken und Nachteile derart gut dokumentiert sind?

Wir meinen, dass die Biotechnologie tatsächlich vorhandene Probleme an der falschen Stelle angeht bzw. unnötigerweise eingesetzt wird, wo es gar keine Probleme gibt. Die meisten der landwirtschaftlichen Probleme entstehen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft: durch riesige Agrarwüsten ohne Landschaftselemente, die mit möglichst wenig Aufwand, also großen Maschinen und hohem chemischem Pflanzenschutzeinsatz, bearbeitet werden sollen; durch Monokulturen, die das natürliche Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen außer Kraft setzen; durch Züchtung von Pflanzensorten, die überall auf der Welt gleichermaßen wachsen sollen, statt an regionale Gegebenheiten angepasste Pflanzen; durch Entwicklung von Pflanzen, die ungünstigen Umweltbedingungen standhalten sollen, statt den Verfall der Umwelt aufzuhalten. Wir wollen eine kleinbäuerliche regionale gentechnikfreie Landwirtschaft!

Das heißt nicht, dass wir fortschritts-, wissenschafts- oder technikfeindlich sind! Jedoch haben wir gesehen, was dieser angebliche Fortschritt der Agro-Gentechnik weltweit anrichtet. Wir wissen 80 % der Bewohner Deutschlands hinter uns, wenn wir gentechnikfreie landwirtschaftliche Produkte fordern, und wir sind überzeugt davon, dass es für auftauchende Probleme andere, umweltverträgliche Lösungen gibt als die Agro-Gentechnik. Wir sind der Meinung, dass Freiheit der Forschung einen hohen Stellenwert hat, jedoch gibt es Einschränkungen. Wenn eine Technologie offensichtlich derart risikobehaftet ist wie die Agro-Gentechnik, kann sich kein Wissenschaftler einfach über den Rest der Gesellschaft stellen und deren Akzeptanz fordern. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der Arbeit Ihres Kollegen Prof. Lenz, der die regionale Alb-Linse wieder entdeckt und -belebt hat. An regionale Gegebenheiten angepasst, kann sie hier ohne Probleme angebaut werden, im Gegensatz zu Maissorten, die erst gentechnisch verändert werden sollen, um überall wachsen zu können. Von dieser Forschung profitieren alle, den Fortschritt kann man riechen, schmecken und sehen. Von Ihren Forschungen profitieren nur weltweite Agrarkonzerne wie Monsanto, Syngenta, BASF, Bayer und Co. Die Landwirtschaft und Forschung macht sich durch patentierte Lebensmittel noch mehr von diesen Konzernen abhängig.

Außerdem sehen wir unser Handeln nicht als kriminell oder illegal zu tun! Wir halten Ihre diese seit Jahren anhaltende Akzeptanzbeschaffung für Agro-Gentechnik auf Ihren so genannten Versuchsfeldern für einen Notstand, gegen den wir uns berechtigt sehen vorzugehen, auch wenn die Regierung unrückholbare Tatsachen schafft.

Sie sehen, unsere Handlungen sind wohlüberlegt und keineswegs ungebildet oder vorschnell. Wir sind gekommen, um zu bleiben! Wenn nötig, so lange, bis Sie keine Gelegenheit mehr zur Aussaat haben. Es sei denn, der Agro-Gentechnik-Anbau der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen wird endgültig eingestellt.

Mit entschlossenen Grüßen Gez. BewohnerInnen der Genfeldsiedlung


Veranstaltungen

(wenn nicht anders angegeben, finden die Veranstaltungen auf dem Acker statt)

Freitag, 4.April

  • 19:00 Uhr: Vortrag: Agrogentechnik weltweit - Erfahrungen und Widerstand mit Antonio Andrioli aus Brasilien - in deutscher Sprache.
  • 20:00 Uhr: Film über Feldbefreiungsaktionen in Deutschland und Vokü (Essen für alle)
  • 20.15 Uhr: Michael Grolm: "Langjährige Erfahrungen eines Imkers im Widerstand gegen die Agrogentechnik in Deutschland."
  • 21:30 Uhr: Konzert von Häns Dämpf
  • ab 24:00Uhr: GOA-PARTY

Samstag, 5. April

  • Ab 22:00 Uhr: Balkan Beats auf dem Genfeld, Mr. Salamander vom Freiburger Esperanza Soundsystem legt auf.

Montag, 7. April

  • 11 Uhr: Übergabe des Offenen Briefes an das FH-Rektorat (s. unten)

Dienstag, 8. April

  • 18:00 Uhr: Vortrag: Kritische Einführung in die Gentechnologie

Mittwoch, 9. April

  • 14 Uhr: Gespräch von BesetzerInnen mit dem FH-Rektorat (Ort steht noch nicht fest)
  • 19.30-21 Uhr: Podiumsdiskussion zw. Prof. Andreas Schier (Gentech-Mais Versuchsleiter in Oberboihingen) und Dr. Christian Schüler (Dozent der Agrarwissenschaften in Witzenhausen), Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen, Neckarstaige 6-10, Kollegiengebäude II, Raum 111

Donnerstag, 10. April

  • 15 Uhr: Infoveranstaltungen für Studierende der FH Nürtingen über "Gefahren und Risiken der Agro-Gentechnik"

Jeden Tag

  • Rallyebahn für Fahrräder
  • 17:00 Uhr: Kaffee und evtl. Kuchen für alle (auch gerne was selber mitbringen)
  • 20:00 Uhr: Vokü ("Volxkücke", Essen gegen Spende)


Wegbeschreibung zum Camp

Das Widerstandsdorf in Oberboihingen
Das Widerstandsdorf in Oberboihingen

Das Feld liegt südlich der A8, nördlich vom Hof Tachenhausen. Vom Bahnhof Wendlingen am Neckar folgt man der Bahnhofstraße, die bald zur Nürtinger Straße wird. Dann biegt man links in den Finkenweg ein. Nach ein paar hundert Metern geht es rechts über die Autobahn. Auf der anderen Seite hinter dem Bauernhof links abbiegen und immer geradeaus, bis bald das Camp in Sicht komt. Hier gehts zur Karte

Kontakt

  • Pressehandy: 0163 / 92 33 61 8
  • Handy auf dem Turm: 0162 / 30 68 922 (Dieses Handy befindet sich nun nicht mehr in Oberboihingen! Bitte andere wählen!)
  • sonstiger Kontakt: 0175 / 8 33 59 58
  • Email: Genfeldsiedlung-BaWue@riseup.net

Protestmail an Prof. Schier: andreas.schier@hfwu.de

Sehr geehrter Herr Schier,

mit diesem Brief solidarisiere ich mich mit den BewohnerInnen der Genfeldsiedlung und der Forderung die Forschung im Bereich Agro-Gentechnik einzustellen. In Übereinstimmung mit einem großen Teil der Menschen in Deutschland und wahrscheinlich weltweit, sind wir der Überzeugung, dass der mögliche Nutzen gentechnisch veränderter Organismen von den wissenschaftlichen bewiesenen Nachteilen aufgehoben wird. Aus soziologischer Sicht beschneidet der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen die Freiheit der Landwirte und damit auch unsere Freiheit zu Entscheiden, da die Koexistenz zwischen traditionell gezüchteten und gentechnisch veränderten Pflanzen unmöglich ist. Außerdem sind viele biologische Vorteile der neuen Pflanzen entweder zeitlich sehr stark begrenzt oder grundsätzlich zweifelhaft. Wie der Anbau in anderen Ländern zeigt führen Schädlingsresistenzen zur Anpassung der konkurrierenden Lebewesen. Pestizidresistenzen führen zu verstärktem Einsatz und der Abhängigkeit von diesen Pestiziden. Wir hoffen, dass sie als Vertreter der öffentlichen Fachhochschule in Nürtingen unserer Forderung nachkommen und die Forschung im Bereich Agro-Gentechnik, zumal auf dem Land unserer Gemeinde, einstellen.

Mit freundlichem Gruß


Wenn Euch noch mehr einfällt, was Ihr Prof. Schier mitteilen wollt, lasst Eurer Phantasie freien Lauf! ;-)

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