Gentech 2007

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Pro­pa­gan­da der Tat: Deut­lich mehr di­rek­te Ak­tio­nen in 2007!

Seit zwei Jah­ren nimmt die Zahl di­rek­ter Ak­tio­nen ge­gen die Agro-Gen­tech­nik deut­lich zu. Aus­ge­löst durch ers­te öf­fent­li­che „Feld­be­frei­un­gen“ im Jahr 2005 kam es zum Wie­der­auf­le­ben der Idee von Feld­be­set­zung und -zer­stö­rung. Pa­ral­lel deh­nen sich gen­tech­nik­freie Zo­nen aus.

Der Ak­ti­ons­rei­gen 2007 be­gann im War­men ... das Amts­ge­richt Zeh­denick ur­teil­te am 11. Janu­ar 2007 nach­ei­nan­der die an­ge­klag­ten Ak­tivis­tIn­nen der 2006er Ak­ti­on „Gen­dreck-weg“ ab. Rund um die­sen ers­ten Pro­zess ge­gen Feld­be­freierIn­nen kam es zu Ak­tio­nen. Bi­lanz: Farb­lich um­ge­stal­te­te Stra­ßen und Ge­richtswän­de vol­ler Pa­ro­len ge­gen die Gen­tech­nik und ei­ne in­ter­es­sen­ge­lei­te­te Jus­tiz, viel­fach lei­der sehr de­fen­si­ve An­ge­klag­te, Ab­ur­teilun­gen im Schnell­durch­lauf mit nied­ri­gen Stra­fen (meist 10 Tages­sät­ze). Kurz da­nach, am 18.1.2007, folg­te der Pro­zess des Im­kers Mi­cha­el Grolm ge­gen die einst­wei­li­gen Ver­fügun­gen von Mon­san­to.

Den ers­ten Er­folg be­scher­te auch schon der Ja­nu­ar: Mon­san­to plan­te ei­nen neu­en Versuchs-Mai­sac­ker in der Nä­he von Kas­sel, doch Pro­test reg­te sich. Go­li­ath (Mon­san­to) sag­te klein­laut das Ding ab. Die nächs­te Ak­ti­on folg­te im Feb­ru­ar 2007 in Köln: „Gen-Ver­käu­ferIn­nen aufs Dach stei­gen“ hieß die Be­set­zung bei RE­WE.

Dann der Ap­ril 2007: Vie­le Jah­re nach der letz­ten Be­set­zung ei­nes Gen­fel­des kam es zu ei­nem neu­en Ver­such - spek­ta­ku­lär, aber erfolg­los. Be­setzt wer­den soll­te ein Feld in der wohl teu­ers­ten Gen­ver­suchs­zo­ne der Repub­lik - den Ex­pe­ri­men­ten des Grün­der­zentrums für pro­fit­ori­en­tier­tes Schnip­peln an Lebens­mit­tel-Zell­ker­nen in Groß Lü­se­witz. Nach mehr­mon­ti­ger Vor­be­rei­tung mon­tier­ten Ak­tivis­tIn­nen in der Nacht vom 11. auf den 12. Ap­ril ei­nen gro­ßen Turm und vie­le Blo­cka­den auf der kurz vor der Ein­saat ste­hen­den Flä­che. Durch klei­ne Pan­nen und viel Pech schei­ter­te die Feld­be­set­zung knapp, die Po­li­zei ent­deck­te die fast fer­ti­gen Bau­ten und ver­jag­te die Bastle­rIn­nen (Abb.: Bildzeitung vom tag danach). In den Ta­gen da­nach folg­ten trotz­dem viel­fäl­ti­ge Ak­tio­nen in und um Groß Lü­se­witz: Ei­ne Schorn­steinbe­stei­gung am Agro­Bio­Tech­ni­kum, Ge­sprä­che mit der Be­völ­ke­rung und Ak­tio­nen im Dorf. Das Ag(g)ro­BioTech­ni­kum muss­te die Kar­tof­fel­flä­che ver­le­gen und sä­te aus. We­nig spä­ter traf ein Farb­an­schlag das Ge­bäu­de und ei­ne Feld­zer­störung die Kar­tof­feln - trotz Be­wa­chung rund um die Uhr. Die Tä­te­rIn­nen blie­ben un­be­kannt - und da­mit auch ihr Wissen, wie sie das Kunst­stück ge­schafft hat­ten ...

Am 21.5. folg­te ei­ne eher sanfte De­mo in Gaters­le­ben. Andere Orte, andere Sitten: Eine Nacht vorher wur­de das ers­te Mais­feld die­ses Jah­res zer­stört - ei­ne Ver­suchs­an­la­ge der Uni Gie­ßen mit Kreu­zun­gen des Mon810-Mais. ...

Pres­se­mit­tei­lung der Po­li­zei Mit­tel­hes­sen: „Unbe­kann­te Tä­ter zer­stör­ten in der Nacht zum Mon­tag, dem 21.5.07 ei­nen Groß­teil des Gen-Mais-Fel­des der Uni Gie­ßen Ge­mar­kung Weilbur­ger Gren­ze. Sie zer­schnit­ten den Zaun des Grund­stücks und hack­ten ei­nen Groß­teil der Pflan­zen aus.“ Ver­suchsen­de. Auch in Bo­kel bei Bre­mer­ha­ven gibt es ei­ne brei­te ak­ti­ve Mo­bi­li­sie­rung ge­gen das dor­ti­ge gv-Mais­feld. Am 14.4. gab es die größ­te De­mo mit Tre­ckern und ca. 1000 De­monstrantIn­nen. Das The­ma wur­de breit in den loka­len Zei­tun­gen auf­ge­nom­men. In der Nacht von Pfingst­mon­tag auf Diens­tag zer­stör­ten Unbe­kann­te das gv­‑Mais-Feld auf dem Hof von Fritz Ste­gen, Prä­si­dent der nie­ders. Land­wirtschafts­kam­mer (CDU). Für vie­le war der Land­wirt­schafts­ak­ti­ons­tag im Pro­test­ka­len­der zum G8-Gip­fel ein Hö­hepunkt auch der Kri­tik an der Gen­tech­nik. Doch wie vie­le an­de­re Ak­tio­nen in und um Ros­tock zu die­ser Zeit zeig­te sich hier eher Mas­se statt Klas­se. Der Auf­ruf zu gro­ßen Men­schen­ansamm­lung hemm­te of­fen­bar Krea­ti­vi­tät und Selb­st­or­ga­ni­sie­rung. Die Fel­der rund um Lü­sewitz über­stan­den den Ak­ti­ons­tag dank Po­lizei­be­wa­chung und An­griffs­schwäche der Kriti­ke­rIn­nen un­be­scha­det. An­dern­orts folg­te es Schlag auf Schlag:

  • Feld­be­frei­ung in Bran­den­burg am 5./6.6.
  • Zwei Feld­be­frei­un­gen in Meck­len­burg-Vorpom­mern im Ju­ni 2007
  • Feld­be­frei­ung in Forch­heim-Rhein­stet­ten bei Karls­ru­he in der Nacht zum 23.6.

Die Zer­stö­rung einer High-Tech-gesi­cher­ten Versuchsan­la­ge gelang ein zwei­tes Mal, dies­mal in Gießen. „Das Feld mit gen­tech­nisch ver­än­der­ter Gers­te ... ist in der ver­gan­ge­nen Nacht von un­bekann­ten Tä­tern zum Teil zer­stört wor­den,“ teilte die Uni­ver­si­tät Gie­ßen am 13.6.2007 mit. Mit der erneu­ten At­ta­cke wur­de zum drit­ten Mal seit 2006 ein Feld in Gie­ßen zer­stört. Gen­tech­nikfreie Re­gio­nen kön­nen auf ver­schie­de­ne Art ent­ste­hen ...

Dann wie­der ei­ne Be­set­zung: Öko-Ak­ti­vis­ten er­ober­ten ein Mais­feld bei Straus­berg. Greenpeace zeig­te ei­nen Land­wirt we­gen il­le­ga­len An­baus von Gen­mais an. Und neue Feld­zerstörun­gen, die nächs­te in Schles­wig-Hol­stein mit Bo­nus­ak­ti­on, ei­ner Far­bat­tac­ke auf die Land­wirt­schafts­kam­mer. Die ab­sur­des­te Feldzer­störung muss­te ein Gen­tech-Land­wirt selbst vor­neh­men. Weil Großbau­er Pi­prek zu dicht an ein Na­tur­schutz­ge­biet heran­säte, wur­de er ge­richt­lich ge­zwun­gen, selbst mit dem Pflug die ge­fähr­li­che Saat zu ver­nich­ten.

Schließ­lich nah­te die Pil­ger­fahrt der Feld­be­freierIn­nen im deutschspra­chi­gen Raum - mit Gäs­ten aus Po­len, Frankreich, Schweiz, Öster­reich usw.: das Gen­dreck-weg-Wo­chen­en­de im Oderbruch. Schon vor­her häng­ten Ak­tivi­stis ein Trans­pa­rent vor dem Landwirt­schafts­mi­nis­te­ri­um auf. Vor dem Ak­ti­onssonn­tag kam es zu­dem zu Feld­be­frei­un­gen un­be­kann­ter Nacht­ak­ti­ver in der Um­ge­bung des spä­te­ren Ak­ti­on­sor­tes. Am Sonn­tag dann folg­te die an­ge­kün­dig­te Er­stür­mung ei­nes Feldes.

Pa­ral­lel ging es auch an­der­sorts zur Sa­che. In der Nacht von 20. auf 21.7. wur­den in MV zwei wei­te­re Hek­tar Acker vom GVO-Dreck be­freit. Bei Gu­sow fiel das nächs­te Feld. Und in der Nacht von Mon­tag auf Diens­tag nach dem Oder­bruch-Wo­chen­en­de ha­ben An­ti-Gen­tech­nik-Ak­ti­vi­stis zwei Gen­mais-Versuchs­fel­der in Ober­boi­hin­gen bei Stutt­gart kom­plett zer­stört. Zu­sam­men­ge­rech­net hat­ten die bei­den Fel­der ei­ne Grö­ße von 2000 qm ge­habt. Frei­set­zer die­ser Ver­su­che war Mon­san­to Ag­rar Deutsch­land GmbH. So ging es wei­ter mit der nächs­ten Feld­be­frei­ung. Wo­bei im Süd­wes­ten, es war ein Saat­zeit­versuch­der FH Nür­tin­gen-Geis­lin­gen, auch gleich Straf­an­zei­ge er­stat­tet wur­de, die lei­der nicht an­ge­nom­men wur­de.

Zeit­lich pa­ral­lel knick­te es auch im Nord­os­ten noch­mals ei­ni­ge Mais­pflan­zen um. Kurz danach ging ein Hek­tar Mais in Dreh­sa (Ost­sachen) ver­lo­ren, Schil­der ge­gen Gen­tech­nik wur­den am Ort er­rich­tet. Die Po­li­zei in Magde­burg muss­te am 29. Au­gust fest­stel­len: „Bislang un­be­kann­te Tä­ter zer­stör­ten in der zurück­lie­gen­den Nacht im Ho­hen­do­de­le­ber Weg in Mag­de­burg ein ca. 1 Hek­tar gro­ßes Gen­mais­feld. Die Tä­ter hat­ten zu­vor den Zaun des in ein­zel­ne Par­zel­len auf­ge­teil­ten Fel­des zer­schnit­ten. An­schlie­ßend zer­stör­ten sie acht Sor­ten von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais­pflan­zen, die dort im Mai die­ses Jah­res zu Ver­suchs­zwec­ken ein­ge­pflanzt wor­den wa­ren. Der ent­stan­de­ne Scha­den wird vor­erst mit 35.000,- Eu­ro be­zif­fert.“ Nicht weit weg mel­de­te eben­falls die Po­li­zei, dies­mal von Sten­dal (5.9.2007): „Vier Par­zel­len mit ei­ner Ge­samt­flä­che von ca. 70 qm, die mit gen­technisch ver­än­der­tem Mai be­stellt wa­ren wur­den durch Un­be­kann­te, of­fen­bar ge­zielt, ver­wüstet. Bei der An­pflan­zung han­del­te es sich um ei­nen ge­neh­mig­ten Frei­feld­ver­such der Landes­an­stalt für Land­wirt­schaft, Fors­ten und Garten­bau.“ Auf Wi­ki­pe­dia hat der Be­griff „Feldbe­frei­ung“ nun ei­ne ei­ge­ne Sei­te ...

Zwi­schen­durch wech­sel­te die Büh­ne - die Gen­p­fu­sche­rIn­nen und ih­re La­bo­re ka­men ins Vi­sier der hand­greif­li­chen Kri­tik: DPA und eini­ge Zei­tun­gen wie die Ost­see­zei­tung und Lübe­cker Nach­rich­ten mel­de­ten En­de Ju­li 57 ein­ge­wor­fe­ne Schei­ben und che­mi­sche At­tacken auf das Ag(g)ro­bio­tech­ni­kum in Groß Lüse­witz. Auch Mon­san­to er­hielt Be­such: Am 21.11.2007 kipp­ten Ak­ti­vis­tIn­nen ei­nen Hau­fen Mist vor die Tür in Düs­sel­dorf. Fast zeit­gleich er­hielt FDP-Front­frau Happach-Kasan na­he ih­res Wahlbe­zirks Be­such (sie­he Fo­to). Sa­bo­ta­ge auch auf den Feldern: Wäh­rend der Maisern­te wur­den in min­des­tens zwei Fäl­len Stei­ne bzw. Gegen­stän­de in Mon810-Feldern ver­steckt, um die Ern­tema­schi­nen zu sa­bo­tie­ren.

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