Forchheim
Aus Gentech
In Forchheim/Rheinstetten bei Karlsruhe befinden sich 2 MON810-Felder.
Feldbesetzung 2008
Einige Bilder von der Aktion gibt's unter Forchheim/Bilder
RÄUMUNG !!!
Aktuell (Freitag, 16h) steht eine Hundertschaft vor dem Feld und es soll geräumt werden.
Pressemeldungen
Rückfragen bitte an: genfeldsiedlung-bawue@riseup.net, 0721/2086922 (andernfalls 0176/24447815)
Feldbesetzung Forchheim: Landwirtschaftsminister Hauk setzt Gentechnik mit Polizeieinsatz durch
Entgegen seiner Ankündigung von gestern hat der baden-württembergische Landwirtschaftsminster Hauk das seit Donnerstagmorgen besetzte Genfeld in Rheinstetten-Forchheim am Freitagnachmittag von der Polizei räumen lassen. Eine halbe Hundertschaft Polizisten trieb die DemonstrantInnen vom Acker und fällte den 10 Meter hohen Holzturm. "Der Anbau von Genmais ist offenbar nur mit polizeilicher Gewalt durchzusetzen", sagte Feldbesetzer Hannes Weidmann: "Hauk stellt sich gegen die Mehrheit der Bevölkerung und der LandwirtInnen, die keine Gentechnik auf dem Acker und dem Teller haben will."
Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg will in Rheinstetten genmanipulierten Mais von Monsanto anbauen. Keine 15 Kilometer weiter, in Frankreich, ist der Anbau ebendiesen Maises verboten. Die französische Regierung zog damit die Konsequenz aus den massiven ökologischen Bedenken gegen diese Pflanzen. Auch dort hatten große Teile der Bevölkerung gegen die Aussaat der genmanipulierten Sorten protestiert.
Die Aktivist_innen kündigten an, weiterhin mit zivilem Ungehorsam gegen grüne Gentechnologie vorzugehen. So besetzten GentechnikkritikerInnen heute morgen ein Feld im hessischen Groß-Gerau, auf dem die Uni Gießen Monsanto-Genmais anbauen will.
Öffentlicher Brief an: Peter Hauk, Minister Ministerium für Ernährung und Ländlicher Raum
26.04.2008 Die Bewohner/-innen der Genfeldsiedlung Forchheim fordern die Einstellung der Forschung mit Agro-Gentechnik auf den Versuchsflächen der Landesanstalt für Pflanzenschutz Forchheim
Sehr geehrter Herr Minister, hiermit fordern wir Sie auf, die Forschung mit Agro-Gentechnik auf den Feldern der Landesanstalt für Pflanzenschutz Forchheim einzustellen.
Mittlerweile hat sich gentechnisch veränderter Mais selbst in der Wiege des Maisanbaus – in Mexiko – über das Saatgut eingekreuzt. Ähnliches passierte letztes Jahr in Deutschland, als über 1000 ha Gen-Raps auf deutschen Äckern ausgesät wurde, ohne dass die Bauern wussten, was für Saatgut sie ausgesät hatten. Dies ist eine gefährliche Entwicklung.
Sie argumentieren für die Agro-Gentechnik, indem Sie unter dem Deckmantel der Risikoforschung und Abstandsforschung bis zu 3 ha Gen-Mais der Firma Monsanto anbauen. Für uns ist diese so genannte Forschung ein Akzeptanz-Versuch, um Gentechnik auf baden-württembergischen Äckern hoffähig zu machen.
Ein Schutz vor Gentechnik wird nicht durch Abstandsregelungen (ob 150 Meter bei konventionellem oder 300 Meter bei Bio-Mais) garantiert, sondern kann nur über das Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen und dem Handel mit deren Produkten erreicht werden.
Wir sind der Meinung, dass die Agro-Gentechnik tatsächlich vorhandene Probleme in der Landwirtschaft nicht lösen kann und noch viel schlimmer: bisher nicht bestehende Probleme schafft. Die großen landwirtschaftlichen Probleme entstehen durch die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft: - durch riesige Agrarwüsten ohne Landschaftselemente, die mit möglichst wenig Arbeitsaufwand (also mit großen Maschinen und einem großen Einsatz von chemischem Pflanzenschutz) bearbeitet werden sollen. - durch Monokulturen, die das natürliche Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen außer Kraft setzen. - durch Züchtung von Pflanzensorten, die überall auf der Welt gleichermaßen wachsen sollen anstatt auf regionale Gegebenheiten angepasst zu sein. Wir wollen eine kleinbäuerliche, regionale, gentechnikfreie Landwirtschaft!
Baden-Württemberg steht für diese regionale gentechnikfreie Landwirtschaft: Baden-Württemberg ist ein Land voller kulinarischer Spezialitäten. Es hat für seine vielfältigen und hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte einen sehr guten Ruf bei Freunden des guten Essens. Wollen Sie als Minister für Ernährung und Ländlichen Raum der einzige noch existierende Anbauer von Gen-Mais in Baden-Württemberg sein? Wollen Sie den guten Ruf der baden-württembergischen Landwirtschaft und die regionale Vielfalt in Baden-Württemberg in Gefahr bringen? „Schmeck den Süden“ - nicht „Schmeck die Gentechnik“ sollte weiterhin Ihr Motto sein.
Wir fordern Sie auf: Stellen sie sich auf die Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Bäuerinnen und Bauern im Land, die sich mehrheitlich gegen Gentechnik ausgesprochen haben! Unterstützen Sie unsere Anliegen, wie Sie gestern schon den Kampf der Milchbauern gegen Preisdumping unterstützt haben!
Wir sehen unser Handeln nicht als kriminell oder illegal an! Ihre Akzeptanzbeschaffung für die Agro-Gentechnik ist ein Notstand, gegen den wir berechtigterweise vorgehen müssen, um zu verhindern, dass die Landesregierung irreversible Tatsachen schafft. Sie sehen, unsere Handlungen sind wohlüberlegt und keineswegs vorschnell. Wir sind gekommen um zu bleiben! Wenn nötig, so lange, bis Sie keine Gelegenheit mehr zur Aussaat haben. Es sei denn, der Agro-Gentechnik-Anbau des Landes Baden-Württemberg wird endgültig eingestellt.
Mit entschlossenen Grüßen
Gez. Bewohner/-innen der Genfeldsiedlung
Genfeld-Besetzung: "Lobbyarbeit für Monsanto ist keine unabhängige Forschung"
In Forchheim bei Karlsruhe wird seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein Feld besetzt, auf dem gentechnisch veränderter MON810-Mais von Monsanto angebaut werden soll. Im Lauf des heutigen Tages wurde das Feld umzäunt und das zuständige Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg drohte, am Freitag mit der Aussaat von Genmais zu beginnen, unter Aussparung der besetzten Fläche. Als Reaktion darauf säten Aktivist_innen heute konventionellen Mais aus.
Landwirtschaftsminister Peter Hauk bezeichnete die Versuche heute als »unabhängige Forschung«. Darauf reagierten die Feldbesetzer_innen mit scharfer Kritik: »Lobbyarbeit für Monsanto als unabhängige Forschung zu bezeichnen entbehrt jeder Grundlage«, so Matze Fahrer, »Versuchsleiter Jany ist in vielfacher Weise als Lobbyist für die Gentech-Industrie tätig, etwa als Vorsitzender der vom Weltkonzern Monsanto unterstützten Lobbyvereinigung 'Wissenschaftskreis Grüne Gentechnik'.«
»Um festzustellen, dass Gentechnik sich unkontrolliert auskreuzt, braucht man keine weitere Forschung, ein Blick nach Kanada, Mexiko oder in eins der vielen anderen Länder, in denen die gentechnikfreie Produktion von Mais oder Soja inzwischen praktisch unmöglich ist, genügt«, erläutert Pia Reufsteck von den Aktivist_innen weiter.
Die Aktivisten wollen ausharren, bis das Land die Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Mais einstellt. Sie fordern Landwirtschaftsminister Hauk auf, dem Beispiel der Hochschule Nürtingen zu folgen, die kürzlich nach Protesten ihre Versuche mit Monsanto-Produkten einstellte.
Gentechnikfeld bei Karlsruhe besetzt
Besetzt ist seit heute morgen das Gentechnik-Versuchsfeld in Rheinstetten-Forchheim. Zwei Dutzend Gentechnik-Kritiker_innen haben einen 10 Meter hohen Turm und ein Zeltdorf auf dem Acker errichtet. Sie wollen damit die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais verhindern. „Wir werden bleiben, bis der Versuch abgesagt oder es zu spät für die Aussaat ist“, kündigt Florian Hurtig, einer der Besetzer_innen, an. Die Genfeld-Besetzung in Forchheim ist nach Gießen, Oberboihingen und Northeim bundesweit bereits die vierte in diesem Frühjahr. In Oberboihingen gab die Fachhochschule Nürtingen vor zwei Wochen dem öffentlichen Druck nach und sagte die geplanten Versuche ab.
Auf dem Forchheimer Feld zwischen Segelflugplatz und Messegelände will das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) wie in den letzten Jahren Auskreuzungsversuche mit gentechnisch verändertem Mais der Firma Monsanto durchführen. „Wenn genmanipulierte Pflanzen angebaut werden, kreuzen sie sich auch aus. Über kurz oder lang gibt es dann keine gentechnikfreie Landwirtschaft mehr. Das kann man in Kanada bereits sehen. Dort existiert faktisch kein gentechnikfreies Rapsfeld mehr“, sagt Christian Grodotzki, einer der Aktivist_innen.
Federführend bei dem Versuch ist die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL). Vom Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen profitiert dagegen in erster Linie eine Handvoll internationaler Saatgutkonzerne. „Die staatliche Forschungsanstalt macht sich zum Handlanger von Monsanto, Bayer und Co.“, kritisiert Pia Reufsteck: „Die Bauern haben davon gar nichts. Im Gegenteil: Gentechnik macht sie systematisch abhängig von patentiertem Saatgut und den zugehörigen Spritzmitteln.“
Die Feldbesetzer_innen laden alle Interessierten herzlich ein, sie auf dem Acker bei Rheinstetten zu besuchen und die Besetzung mitzugestalten. In den nächsten Tagen wird es dort Filmvorführungen und Vorträge geben. Am Freitag ist sogar eine Ska-Party geplant. Aktuelle Hinweise finden sich auf www.gentech-weg.de.vu unter „Forchheim“.
Anreise: Das Feld liegt am Schwimmschulweg zwischen Neuer Messe und Segelflugplatz. Es ist von Karlsruhe aus mit dem Fahrrad oder der S-Bahn (S2 Haltestelle Forchheim Messe/Leichtsandstr., S4 Bahnhof Forchheim) in einer Viertelstunde zu erreichen.
Programm
Donnerstag, 24. April
18:00 Uhr: "Infocafé", Kaffee, Kuchen und Gespräche. Wir freuen uns über Kuchenspenden.
Freitag, 25. April
21:00 Uhr: Ska-Party!
Samstag, 26. April
14:00 Uhr: Einweihung des offenen Gartens: Anstelle des Genversuchs soll auf einem Teil des Feldes ein offener Garten entstehen. Jede/r pflanzt an, was und wo er/sie will, oder gestaltet den Garten nach seinen/ihren Vorstellungen.
15:00 Uhr: MatschFußball auf dem Gen-Acker
16:00 Uhr: Kaffee und Kuchen für alle und umsonst
17:00 Uhr: (Anti-Gentech-)Buttons selber machen. Es gibt eine Buttonmaschine und verschiedene Motive. Aus diesen Motiven und natürlich auch aus eigenen, auf Papier gebrachten Ideen, können dann Buttons gemacht werden.
18:00 Uhr: Diskussion über verschiedene Aktionformen und Strategien gegen Gentechnik
21:00 Uhr: Auf zum Lagerfeuer! Sojawürstchen grillen und Lagerfeuerlieder singen
Sonntag, 27. April
17:00 Uhr: Vortrag über die Gefahren der Gentechnik
Berichte
- Indymediabericht vom Anfang
- "Operation Maisfeld" Aktivisten besetzen Gentechnik-Acker (KA-News)
- Rheinstetten: Feldbesetzung (SWR)
- Bericht auf Radio querfunk
- Landwirtschaftsminister reagiert
- Badisches Tagblatt: Gegner besetzen Versuchsfeld
- Rheinstetten: Dem Gen-Mais auch hier flink vom Acker helfen (stattweb)
- Genfeld: Besetzung mit Räumungsverfügung beendet (KA-News)
- Feldbesetzung in Rheinstetten-Forchheim beendet (Ministerium)
- Polizei schafft Platz für Genmais (taz)

